New Kids on the Block - BUTIQ – Feinwaren
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BUTIQ FEINWAREN

New Kids on the Block

 

Im November eröffnet in Mannheim »BUTIQ – Feinwaren« im Block O6. Der Concept Store mit hochwertigem Sortiment verspricht ein neues Shopping-Zeitalter in den Quadraten einzuleiten.

Im dritten Stock einer ehemaligen Unterwäschefirma in der Neckarstadt-Ost hat Matthias Storch, 36, sein Büro eingerichtet. Die Räumlichkeiten sind so weitläufig wie ein Basketballplatz. Hier durchleuchtet die Sonne das Loft von einer zur anderen Fensterfront und wirft ihre Strahlen auf die minimalistischen Möbel im Dansih-Design der 60er Jahre und dem Boden in Rostoptik. Die Mitarbeiter, zu denen seit Kurzem auch die 29-jährige »BUTIQ«-Mitleiterin Stella Kraft gehört, sitzen vor Macs, die auf weißen Ikea-Schreibtischen thronen, und leisten Kreativarbeit. In der einen Ecke ein fahrbares Mini-Motorrad, da ein Bauhausklassiker, andernorts stapeln sich Fotobände. Eine Schneiderbüste steht halb im Schein mattschwarzer Decken-Lampen. Es gibt einiges zu entdecken in der Arbeitswelt von Matthias und Stella, die per Lastenaufzug zu erreichen ist und puren Industrial-Charme versprüht.

Dort unterhalten wir uns mit Stella und Matthias über den neuen Conceptstore »BUTIQ«, welcher im November im zweiten Stock des Engelhorn Trendhouse auf knapp 400qm in der Mannheimer Innenstadt eröffnet. Während Stella sich um die Bar, den Verkauf und die Optimierung des Sortiments kümmert, wird Matthias im Hintergrund die Fäden ziehen. Mit »BUTIQ« soll ein avantgardistisches Warenhaus und nicht irgendein weiterer Textil-Retail eröffnen, kündigt er an, denn Stella und er sind Vollblut-Ästheten. Londoner Westend und sechs Jahre Shopping in Europas größter Metropole haben Stellas Sinne für Mode, Vintage und Accessoires geschärft. Der Dienst in renommierten Hotels nahe der Brick Lane taten ihr Übriges, um sie in Sachen Stil und Service auf hohes Niveau zu hieven. Matthias überzeugt seit geraumer Zeit mit Marken wie »Von Jungfeld« und »Stork&Fox«, glasklaren Onlineauftritten und einem Gespür für hochwertige aber bezahlbare Produkte, die sonst schwer zu finden sind. Zusammen wollen die beiden nun nicht weniger als den Staub von Mannheims manchmal monotonem Retail wegpusten. Und zwar mit einem außergewöhnlichem Marken-Mix aus den Bereichen Mode, Food, Accessoires, Schmuck und Lifestyle.

Stella, du hast Jahrelang in London in renommierten Hotels gearbeitet. Wie fühlt sich im Vergleich dazu jetzt die Rhein-Neckar-Region an?

Stella: Langsamer. Hier gibt es weniger Tamtam und Menschen. Es dauert hier etwas länger den Mindset deiner Mitmenschen zu finden. In London ist man toleranter in jeglicher Form.

Was fehlt dir hier und was wirst du uns aus London mitbringen?

Stella: In London hat irgendwie jeder gezeichnet, Songs geschrieben oder sich für avantgardistische Mode interessiert. Ich bin ein riesiger Fashion-Fan, auch im Second-Hand- und Vintage-Bereich. Manche kaufen gern das was ihnen vorgesetzt wird. Ich mag aber die Suche nach Mode und neuen Einflüssen und werde ein paar Überraschungen aus London mit zu »BUTIQ« bringen.

Matthias, wieso hast du dich letztendlich für Stella als Storemanagement der »BUTIQ« entschieden?

Matthias: Zum einen hatte ich großes Vertrauen in Marias Empfehlung. Des Weiteren war klar, dass wir keinen klassischen Store-Manager suchen. So sind wir noch nie vorgegangen. Stella und ich haben uns sofort gut verstanden. Sie ist gesund crazy und schaut in alle Richtungen. Da war klar, dass wir das ausprobieren. Wichtig ist, dass man Spaß hat. Darum geht es bei uns. Trotzdem wollen wir erfolgreich werden, denn der Spaß muss auch finanziert.

Stella, was bedeutet der Neuanfang bei »BUTIQ« für dich?

Stella: Das ist mein erster Retail. Und wenn man mal so anfängt davon zu träumen, was man denn gerne einmal machen würde, dann komme ich immer darauf einen eigenen Concept Store zu machen. Nach London ist man einfach Shopping-affin und weiß auch so ein bisschen was geht. Im Londoner West End habe ich ein Gespür für Shops entwickelt; wo ich gern hingehe und wo nicht. Dort sieht man, welche Rahmenbedingungen einen Shop erfolgreich machen können. Ich komme ursprünglich aus der Gastronomie, das ist mein Fundament. »BUTIQ« ist also die perfekte Mischung für mich.

Wie werdet ihr euer Team zusammenstellen?

Matthias: Wir suchen keine Standardtypen, sondern Leute, die noch nicht X Jahre im Retail gearbeitet haben. Das würde uns nicht weiterbringen.

Stella, du bist Vollblut-Dienstleisterin, aber Deutschland gilt allgemein als Service-Wüste. Was bedeutet für dich guter Service?

Stella: Es ist immer gut, mit einem Lächeln anzufangen. In Deutschland hat es schon fast einen schlechten Ruf andere zu bedienen. Vielleicht ist es deshalb auch so schwer Service-Personal zu finden. Die Briten sind dagegen hervorragend. Da bekommst du bei Zara denselben Service wie bei Yves Saint Laurent.

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Du hast Erfahrungen mit Kulturen aus aller Welt gesammelt. Welche Kultur ist denn besonders Service-bedürftig?

Stella: Die der Araber. Oft kommen die aus einem Background, der es ihnen erlaubt viel zu reisen und viele haben Bedienstete Zuhause. Bei Amerikanern ist es ähnlich: Viele wohnen in Apartment-Blocks mit Concierge, der dir dein Taxi ruft oder Flug-Check-Ins macht.

Was hast du in deinem Beruf über Menschen im Allgemeinen gelernt?

Stella: Sei so tolerant wie möglich. Dann fühlt man sich auch nicht so schnell vor den Kopf gestoßen. (lacht)

Mannheim entwickelt sich sehr schnell zur Zeit. Matthias, glaubst du, dass »BUTIQ« und die Avantgarde-Produkte auch schon vor zehn Jahren hier auf dem Markt bestehen hätten können?

Matthias: »BUTIQ« ist der Beginn von etwas Neuem, denn der klassische Retail funktioniert nicht mehr wie früher. Die Personen, die ich kenne, gehen immer weniger in die Stadt um gezielt zu kaufen, sondern bestellen online. Heutzutage muss der Besuch der Stadt ein Erlebnis sein und das wollen wir bedienen: Du kommst zu BUTIQ und weißt eigentlich gar nicht was du willst. Gehst raus und hast etwas gekauft, weil du etwas entdeckt hast, was du im Internet nicht bekommst.

Wo du doch besonders hohe Qualitätsansprüche hast: Was macht denn eine gute Socke aus?

Matthias: Jetzt wird man hier in die Strumpffetischisten-Ecke gestellt. (lacht) Markensocken sind von der Qualität oft sehr gut. Da kannst du nicht viel falsch machen. Die werden ja auch meist von denselben Maschinen gestrickt. Aber was am Ende den Unterschied macht, ist, dass es vorne am Socken eine Spitze gibt, die entweder maschinell – dann bekommst du manchmal Druckstellen an den Seiten der Füße – oder von Hand gekettelt wird. Des Weiteren produzieren viele Hersteller nicht nachhaltig. »Von Jungfelds« sind handgekettelt und in Deutschland hergestellt.

Wozu kauft denn zum Beispiel jemand ein Beton-Eis?

Matthias: Es ist das sinnloseste Produkt der Welt. Du brauchst es nullkommanull. Aber ich hab eines Zuhause liegen und jeder der reinkommt geht als erstes zu diesem Produkt. Das Produkt macht gute Laune und darum geht’s.

Aber es geht dir auch um Fairness. Sehr oft stammen eure Produkte aus zertifiziertem fairem Handel. Wieso ist dir das wichtig?

Matthias: Vielleicht liegt das an meiner Erziehung. Mein Vater ist Arzt und macht noch heute Hausbesuche. Ich will wissen, wo meine Produkte herkommen und auch Zugang zu den Produktionsstätten haben. Die ehrliche Story zu dem Produkt ist das Wichtigste. Wir wollen den Leuten keine hochpreisigen Produkte anbieten, die in Bangladesch für 50 Cent produziert wurden. Vielleicht spielt auch mein Kontrollzwang dabei eine Rolle und vielleicht flieg ich deshalb auch nicht gerne, da ich niemals das Steuer übernehmen könnte, wenn etwas schief geht.

Nach welchen Kriterien wählst du dann deine Mitarbeiter aus?

Matthias: Das entscheiden wir nach einem persönlichen Treffen. Klar schau ich, was im Lebenslauf steht. Wenn jemand seinen Fokus auf namhafte private Unis gelegt hat, weiß ich, dass wir uns – insbesondere bei BUTIQ – miteinander eher nicht wohlfühlen werden. Hat derjenige aber auch praktische Erfahrungen im Event- oder Hotel-Bereich gesammelt, dann passt es schon eher zu uns. Wir treffen uns und dann entscheiden wir recht schnell – oft nach Bauchgefühl.

Wie wurdest du überhaupt Unternehmer?

Matthias: Ein bisschen Glück gehört dazu, aber im Endeffekt ist das alles harte Arbeit. Es geht nicht darum die zündende Idee zu haben – das gibt es nur ganz selten. Besonders in der Gründungsphase ist es ausschweifendes und intensives Schaffen, ohne Wochenende, Urlaub und ganz wenig Freizeit. Aber wenn du es für dich tust, ist es keine Arbeit, sondern dein Leben.

Stella, Matthias, vielen Dank für das Interview.

 

Text: Jan Burger

Kategorie
PEOPLE, STORIES
Tags
brands, butiq, design, makers, people, team