Raum in Freiheit - BUTIQ – Feinwaren
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BUTIQ FEINWAREN

Raum in Freiheit

 

Zwischen vier Wänden spielt sich das Leben ab: In Räumen wohnen wir, arbeiten, essen oder gehen einkaufen. Als Interior Designer war Torsten Ohrnberger schon in fast jedem Raum in Mannheim und weiß, wie wichtig die Raumgestaltung für die Funktion und die Atmosphäre ist. Im Interview spricht der Mitinhaber des Innenarchitekturbüros Raumfreiheit über notwendige Freiheit, lebendige Räume, Vorzüge der Stadt Mannheim und die aktuelle Gestaltung des Shops BUTIQ.

Als Interior Designer gestaltest Du seit über 20 Jahren Räume. Was zeichnet gutes Interior Design für Dich aus?

Gutes Interior Design muss funktional sein und eine gute Formsprache haben. Im Vordergrund steht die Funktion: Beispielsweise muss im Restaurant ein reibungsloser Ablauf für die Mitarbeiter gewährleistet sein, die Gäste dürfen nicht gestört werden und müssen sich gut aufgehoben fühlen. Erst danach kommt die Gestaltung. Gute Gestaltung macht sofort sichtbar, was in diesem Raum passiert und was die Menschen erwarten können.

Bleiben wir beim Beispiel der Gastronomie. Im Restaurant „Die Küche“ in Mannheim ist beim Betreten des Raumes offensichtlich: Hier gibt es bodenständige Küche mit regionalen und saisonalen Produkten; beim Essen fühlt man sich wie in der eigenen Küche. Die Kochzeile der Theke habe ich so konzipiert, dass man einen Blick in „Mutters Kochtopf“ werfen kann. Eichemöbel und alte Marktleuchten schaffen zusätzlich eine ganzheitliche Wohlfühl-Atmosphäre. Gutes Interior Design ergibt sich also aus dem Zusammenspiel zwischen Mensch und Produkt. Und weckt natürlich auch Emotionen. Kurz gesagt: Der Mensch wird durch gute Innenarchitektur unterstützt.

Was ist das Wichtigste in einem Raum?

Die Hauptsache ist das Licht, ohne das kein Raum funktioniert. Deshalb ist die Lichtkonzeption und die Wahl des Lichts essentiell. Jegliche Atmosphäre wird erst erzeugt, indem man Licht einsetzt. Bereiche oder Möbel können hervorgehoben oder reduziert werden. Das erweckt einen Raum zum Leben.

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Wie lässt sich Dein Stil beschreiben?

Ich habe keinen eigenen Stil. Mir ist sehr wichtig, keinen speziellen Stil entwickelt zu haben. Dadurch bin ich nicht eingeschränkt und festgelegt, sondern so frei wie möglich. Deshalb kann ich bei der Lounge in der Dualen Hochschule Baden-Württemberg genauso offen auf die Konzeption eingehen wie bei der Lounge des Unternehmens Gelita, beim Restaurant Memoires d’Indochine ebenso wie beim Club Koi. Im Vordergrund steht für mich das Projekt in seiner Einzigartigkeit, die ich ausarbeite. Nur so kann ich immer die optimale Umsetzung entwerfen.

Was wenige wissen: Neben der Innenraumgestaltung entwirfst Du auch Möbel. Was macht Dir mehr Spaß?

Beides hat seinen gestalterischen Reiz. Gut vergleichen lässt sich dies mit der Arbeit eines Musikers und der eines DJs: Ein Möbelstück wie einen Tisch von Grund auf neu zu entwerfen ist sehr zeitintensiv und herausfordernd, wie bei einem Musiker, der ein Stück komponiert. Der Gestaltungsprozess ist wesentlich detaillierter: Material, Form und Proportionen müssen bedacht werden, damit am Ende die Qualität des Ergebnisses stimmt. Die Raumgestaltung dagegen ist wie das Auflegen des DJs: Hier liegt der Schwerpunkt auf der Kombination einzelner Produkte und Stimmungen, die miteinander zu einem schönen Setting verbunden werden.

Du setzt nicht nur Wohnungen um, sondern auch öffentliche Räume wie zuletzt das Kreativwirtschaftszentrum C-Hub. Wo liegt der Unterschied zwischen der Gestaltung in der Wohnung einer Privatperson und der Arbeit in einem öffentlichen Raum?

Bei der Wohnungsgestaltung spielen individuelle Vorlieben und die Persönlichkeit des Kunden eine größere Rolle. Hier greift man ins Private ein. Das ist viel emotionaler. In öffentlichen Räumen sind die Vorgaben klarer und spezifischer. Hier besteht die Herausforderung darin, den Raum für Kreativität zu entwickeln. Ich habe im C-Hub in den Galerien Schaukeln aus Skateboards vorgeschlagen – eine Verbindung zwischen Kindheit, Spielen und Kreativität. Dies war das Überraschungsmoment, das sowohl den Kunden als auch die Benutzer begeistert.

Woran arbeitest Du gerade?

Aktuell setze ich die Gestaltung eines einmaligen Shops auf einem gesamten Stockwerk mit 250 Quadratmetern im Engelhorn Trendhouse in Mannheim um. „BUTIQ“ wird ab Mitte November 50 verschiedene Marken aus den Bereichen Mode, Schmuck, Lifestyle, Food und Accessoires präsentieren – von bunten Herrensocken bis zum E-Bike. Integriert ist auch eine Bar mit Lounge, die spezialisiert ist auf regionale Getränke wie Pfälzer Wein, Bier aus dem Odenwald und Limonade aus Heidelberg.

Was sind die Besonderheiten an dieser Umsetzung?

Die Besonderheit besteht darin, einen einheitlichen Raum für 50 verschiedene Produkte zu konzipieren und allen Marken gleichzeitig in ihrer Einzigartigkeit gerecht zu werden. Denn die Produkte sind alle hochwertig und hinter jedem steht auch eine einzigartige Story. Genau hier setzt die Innenraumgestaltung an: Die Produkte stehen im Vordergrund, jedes einzelne wirkt für sich. Der Raum ist weitestgehend reduziert und tritt in den Hintergrund. Umgesetzt haben wir dies durch das Spiel mit Licht. Dadurch fließt der Raum zusammen, wird als Ganzes wahrgenommen. Die Unterteilung erfolgt durch Hell-Dunkel-Kontraste.

Du bist in Mannheim verwurzelt und hast in über 20 Jahren in der Stadt viele Projekte verwirklicht. Was bietet Mannheim für Dich?

Mannheim bietet viel Potenzial für gutes Design. Die Menschen sind sehr offen für Kreativität, besonders in den letzten Jahren durch die Ausrichtung der Stadt auf die Kreativwirtschaft. Gleichzeitig ist Mannheim bodenständig und authentisch. Hier gibt es noch nachhaltige Entwicklungsmöglichkeiten, die ich woanders so nicht finde. Damit kann Neues entstehen in der Stadt und für die Stadt. Das finde ich spannend und dazu möchte ich mit gutem Interior Design beitragen.

Mannheim gilt ja nicht gerade als Zentrum des Designs. Wie kommst Du auf Deine Ideen?

Mich inspirieren vor allem andere Menschen. Die Vorgehensweisen, Vorstellungen und Ansprüche, die sie prägen, sind für mich bereichernd. Aus der Interaktion mit ihnen entwickle ich meine Ideen.

Welche Wünsche hast Du selbst im Bereich Inneneinrichtung?

Mit „Living in a Box“ habe ich eine modulare Wohneinheit entwickelt, die mobil, räumlich und zeitlich flexibel genutzt werden kann. Innen wie außen passt sich die Box immer an die momentane Lebenssituation an. Ausbauen würde ich das Projekt gerne Richtung Wasser: ein Floatinghome, um die größtmögliche Freiheit und Unabhängigkeit im Bereich Wohnen und Arbeiten zu haben. Wünschen würde ich mir, dass die Stadt ihr Potenzial durch ihre einmalige Lage an zwei Flüssen erkennt und deren Möglichkeiten stärker für die Menschen dieser Stadt nutzt.


Torsten, vielen Dank für Deine Zeit und das Interview.


www.raumfreiheit.de

Datum

September 24, 2015

Kategorie
LIFESTYLE, PEOPLE, STORIES
Tags
design, interior, makers, mannheim, people